Wohin mit all den Touristen in Amsterdam?!

Tourismus-Studierende der htw saar entwickeln auf internationalem Workshop Lösungskonzepte für Overtourism in den Niederlanden. Und bringen einen vollen Medaillensatz mit nach Hause.

von Sophie Gienow und Caroline Lieser

Overtourism – also das Problem des Massentourismus – ist spätestens seit den unzähligen Medienberichten während der Sommerzeit und den Aktionen von Fridays for Future in aller Munde. Besonders offenkundig wird dieses Problem in Städten wie Venedig, Barcelona oder Amsterdam, die Jahr für Jahr von Millionen Besuchern förmlich überrannt werden. Hierfür Lösungskonzepte zu entwickeln war die Aufgabenstellung der diesjährigen ACEEPT Projektwoche, die vom 10. bis zum 16. November in Breda, in den Niederlanden stattfand und an der wir – elf Studierende im Bachelor-Studiengang Internationales Tourismus-Management – als Team Germany teilnahmen.

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Das Team Germany der htw saar bei der Verleihung der Zertifikate

Während der Projektwoche arbeiteten wir mit Studierenden von sieben anderen europäischen Hochschulen zusammen, zum Beispiel aus Frankreich, Spanien und der Türkei. Zur Vorbereitung hatten wir uns schon im Vorfeld fleißig mit dem Thema „Overtourism“ auseinandergesetzt. Hierzu waren verschiedene Aufgaben zu bearbeiten, die sogenannten Pre-tasks: So galt es unser Team und unsere Hochschule kreativ vorzustellen, in einer Präsentation ein Best Practice Beispiel zum Thema Management von Touristenströmen aus Deutschland zu zeigen sowie einen wissenschaftlichen Aufsatz zum Thema in den Niederlanden zu verfassen. Und da es schon drei Wochen nach Semesterstart losging hatten wir keine Zeit zu verlieren.

Am Sonntag, 10. November, ging es dann los nach Holland. Mit vollbepackten Autos machten wir uns auf den Weg nach Breda, wo wir in einem Ferienpark in Bungalows untergebracht waren. Am Abend wurden wir herzlich begrüßt und konnten durch ein paar Kennenlernspiele schon einige der anderen Teilnehmer kennen lernen.

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Eindrucksvolle Location: die ehemalige Kapelle an der Breda UAS.

Am Montag wurde es dann ernst. Nach der offiziellen Begrüßung und ein paar einleitenden Vorträgen von Experten und Praktikern waren wir dran… In der eindrucksvollen Kulisse einer ehemaligen Kapelle der Breda UAS, die inzwischen als Vorlesungssaal genutzt wird, zeigten in unserer Präsentation am Beispiel von Berlin auf, wie dort die Herausforderung der großen Besucherzahlen gemanagt wird. Viel Spaß machte uns die Vorstellung der htw saar und unseres Teams in einem kurzen, sehr lustigen Video. Den restlichen Nachmittag verfolgten wir die Präsentationen der anderen Teams und lernten so deren Teammitglieder sowie verschiedene Lösungsansätze zum Thema Overtourism aus ganz Europa kennen.

Am Abend fand die International Fair am Campus statt. Hier bauten wir unseren Stand auf, um den anderen Studierenden Saarbrücken als Studentenstadt näher zu bringen. Dazu hatten wir extra einen Schwenker (gemeint ist der Grill) mitgebracht, der für große Aufmerksamkeit unseres Stands sorgte.

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Präsentieren Saarbrücken als Studentenstadt auf der International Fair: das Team Germany der htw saar. (Nicht im Bild: Unser Schwenker und unser Schwenker;-)

Natürlich waren wir auch neugierig auf die Stände der anderen teilnehmenden Länder und tauschten uns mit ihnen kulinarisch und kulturell aus. Die Schweiz begeisterte uns mit deren leckerem Käse und am Stand der Türkei probierten wir deren orientalische Gewürze, die uns teilweise an Döner erinnerten.

Im Laufe des Abends lernten wir die anderen Studierenden besser kennen und tauschten uns über dies und das aus. Das war nicht nur interessant und lustig, es war auch hilfreich für die kommende Woche, da wir dann zur Bearbeitung der Wochenaufgabe, der sogenannten Main-task, in international durchmischte Teams zusammengesetzt wurden.

Die Main-task stellte uns vor die Herausforderung, Lösungsansätze für die Probleme durch Overtourism in Amsterdam zu konzipieren, von denen idealerweise auch unsere Gastgeberstadt Breda profitieren könnte. Keine leichte Aufgabe, der wir uns den Rest der Woche widmen sollten.

Um uns einen persönlichen Eindruck von der Situation vor Ort zu erhalten fuhren wir am Dienstag nach Amsterdam. Dort informierten wir uns in der „This Is Holland Experience“ über die Geschichte Hollands. Anschließend erkundeten wir Amsterdam bei einer wunderschönen Grachtenfahrt durch die Kanäle der niederländischen Hauptstadt. Wir trotzten dem schlechten Wetter und der eisigen Kälte, und mussten uns die Touristenmassen des Sommers eher vorstellen als dass wir sie zu sehen bekamen.

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Some sunshine after the rain in Amsterdam

Im Kontrast zur wuseligen Großstadt Amsterdam stand unsere Exkursion am Tag darauf. Hier besuchten wir das Aushängeschild der Niederlande – die Windmühlen in Kinderdijk, welche unter dem Schutz des UNESCO Weltkulturerbes stehen.

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Die ACEEPT Gruppe im Weltkulturerbe Kinderdjk

Nach den Exkursionen hieß es dann für uns: ran ans Werk! In unseren internationalen Gruppen stellten wir uns der großen Herausforderung, nicht nur die sehr anspruchsvolle Aufgabe sondern auch Sprachbarrieren und verschiedene Charaktere in unseren Teams zu meistern. Schließlich galt es in nur zwei Tagen ein Konzept zu erarbeiten, welches die Besucher raus aus Amsterdam und hin zu den anderen schönen Orten in den Niederlanden zieht. Bei der Konzeption orientierten wir uns an der Design Thinking Methode, die uns half, die notwendigen Schritte systematisch zu bearbeiten.

Am Freitag war es dann soweit! Alle zehn Teams stellten ihre Ideen vor. Diese wurden von drei Jurys bewertet: den Studierenden, den Dozenten sowie den Vertretern aus der Praxis. Vor allem letztere brachten so manches Team mit ihren Fragen ins Schwitzen. Insgesamt zeigten sich aber alle beeindruckt. In der kurzen Zeit wurden sehr innovative und kreative Ideen entwickelt. Das Gewinner-Team beispielsweise stellte ein flexibles Wegweiser-System vor, mit dem Touristenströme in Abhängigkeit vom aktuellen Besucheraufkommen geleitet werden.

Nach der harten Arbeit wurden alle mit einem schönen Closing Dinner belohnt und die drei besten Ideen erhielten Preise. Sehr stolz waren wir, dass in allen drei Gewinnerteams jemand aus unserem Team Germany vertreten war und wir somit einen vollständigen Medaillensatz mit nach Hause bringen konnte.

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Smile, when you’re wining: kompletter Medaillensatz an das Team der htw saar.

Nach diesem erfolgreichen Abschluss ließen wir den Abend schön ausklingen. Die gesamte ACEEPT Projektwoche hat uns untereinander, aber auch mit den Studierenden der internationalen Partnerhochschulen zusammengeschweißt. Umso schwerer fiel uns die Abreise am nächsten Tag, denn es hieß sich auch von den neu entstandenen Freundschaften zu verabschieden.

Nächstes Jahr findet die ACEEPT Woche in Rimini in Italien statt. Unser Tipp an alle Erstsemester: Bewerbt Euch auf die ACEEPT Projektwoche! Sie ist ein unvergessliches Erlebnis. Und wahrscheinlich ist in Italien auch das Wetter etwas besser und vor allem wärmer…

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Auf der Suche nach etwas Wärme fernab der Heimat;-)

 

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