Die Kriterien für die Auswahl meines Praktikums waren nicht sonderlich umfangreich. Am besten Eventmanagement, irgendwo in Europa, Skandinavien wäre schön… Also schrieb ich unzählige Bewerbungen innerhalb Europas an Messeorganisatoren, Reiseveranstalter, Eventagenturen. Alle mit einem ernüchternden Ergebnis. “Wir haben schon jemand”, “Wir nehmen keine Praktikanten”, oder meine Lieblinge, GAR NICHT antworten. Zusätzlich habe ich mich bei zwei Stellen außerhalb Europas beworben und bin doch glatt bei beiden genommen worden! Jetzt lebe ich also in Tokyo für drei Monate und mache ein Praktikum im Bereich Marketing, welcher auch für die Veranstaltung der jährlichen Messe, sowie weiterer kleiner Events verantwortlich ist. Zack… Doch noch das gekriegt was ich wollte.
Aber Japan? Schon wieder so weit weg und so GANZ anders. Als erfahrene Globetrotterin macht mir die Distanz und auch das “Wegsein” von Zuhause relative wenig aus, wobei ja drei Monate auch durchaus überschaubar sind. Der Unterschied in der Kultur und der Lebensweise, mit welchem ich mich vorher halbwegs intensiv anhand von Büchern versucht habe auseinanderzusetzten, flößte mir schon ein wenig Respekt ein. Ich spreche kein Wort Japanisch (naja gut, doch, so ungefähr fünf), ich kann keinen einzigen Buchstaben lesen ( !!! ) und ich bin einer von 35 Millionen Menschen in dieser unfassbar großen Stadt.
Angekommen hier war ich völlig übermüdet und gleichzeitig total überrascht. Ich kam von einem Städtetrip aus Istanbul, wo die Menschen mich sowohl in der Stadt, als auch am Flughafen völlig überrannt haben und dann die Landung in Tokyo. Kein Mensch am Flughafen, die Straßen keinesfalls überlaufen, kein hektisches Treiben, alles zivilisiert und geordnet, da könnten sich die Deutschen an der ein oder anderen Stelle noch ein Scheibchen abschneiden. Schock war also da, aber anders als erwartet.
Auch mit der Kommunikation klappt es im Großen und Ganzen gut, ein paar Brocken Englisch kann fast jeder und sonst helfen auch gerne die Hände und Füße (beispielsweise im Restaurant, in dem man einfach nur auf Bilder zeigen muss, was man haben will). In der Arbeit ist das natürlich noch einfacher, gerade in meinem Team sprechen eigentlich alle fließend Englisch.
Die Menschenmassen, vor denen ich mich so gefürchtet hatte, treffe ich jeden Morgen und jeden Abend im Zug. Ich lebe circa 30 Minuten Zugfahrt außerhalb in einem Vorort, indem 1,5 Millionen Menschen leben, also so circa die Größe von München, in einem Mitarbeiterwohnheim. Diese Menschen wollen alle Morgens zwischen halb 7 und 8 in die Stadt, was dazu führt, dass man entweder in Züge gepresst wird (und das meine ich so, wie ich es sage – es gibt Leute die arbeiten als “Presser” oder wie auch immer die genaue Berufsbeschreibung heißen mag) oder man erst 4 Züge abwarten muss, um in einen zu “passen”. Gewartet wird aber zivilisiert in Reih und Glied (übrigens auch vor Drehtüren oder an Rolltreppen) und wehe einer fällt aus der Formation. Abends das Gleiche dann natürlich noch mal, wobei es sich da dank unterschiedlicher Feierabendzeiten etwas besser verteilt.
Kulinarisch muss man sagen, eigentlich alles ist sehr lecker, aber ich kriege davon immer relative schnell zu viel und wünsche mir ein Schnitzel, Steak oder einfach nur Spaghetti. Fisch sollte man hier schon mögen, sonst schränkt sich die Speisekarte relativ ein. Dass die Japaner aber nur Sushi und rohen Fisch essen, kann ich so nicht bestätigen.
Aber alles in allem kann man sagen, es ist auf jeden Fall GANZ anders als bei uns. Es gibt skurrile Sachen, aber auch wirklich Sinnvolle. Die Japaner sind ein sehr hilfsbereites, fleißiges und strukturiertes Völkchen, was es einer ordnungsliebenden Blondine wie mir sehr leicht macht sich einzuleben und meistens auch sich zu verständigen. Außerdem muss ich sagen, dass ich mich zu jeder Tages- und Nachtzeit hier sicher fühle, egal ob ich irgendwo alleine bin oder eine Menschenmasse um mich herum. Ich kann das Land auf jeden Fall allen empfehlen, die sich mal etwas Anderes anschauen wollen, ein asiatisches Land, das meiner Meinung nach aber so gar nicht asiatisch ist. Von daher, Sayônara!!
Eure Alena