Groetjes vanuit Amsterdam – Praktikumssuche direkt vor der Haustür

Hallo ihr Lieben, nun melde ich mich auch endlich mal zu Wort. Ich bin jetzt schon 2,5 Monate in Amsterdam und ich liebe es! Aber am besten fange ich erst einmal vorne an.
gina1Mit den Bewerbungen für mein Praxissemester war ich im November 2014 relativ spät dran, was unter anderem daran lag, dass ich mich nicht so recht entscheiden konnte bei welchen Firmen ich mich bewerben soll und vor allem auch in welchen Ländern. Mir war ziemlich schnell klar, dass es in Richtung Destinationsmanagement gehen sollte und am besten in einer Region, die ich noch nicht sonderlich gut kannte. Mein erster Gedanke ging ans Auswärtige Amt, da ich eine Freundin habe, die dort bereits ihr Praktikum mit viel Begeisterung absolviert hatte. Nachdem ich allerdings den Bewerbungsvorgang überflogen hatte, war mir ziemlich schnell klar, dass dies mehr Zeit in Anspruch nehmen würde, als ich zu dem Zeitpunkt bereit war zu investieren. Somit folgten einige formlose Anfragen bei einigen Fremdenverkehrsämtern, auf die ich nur Absagen zurückbekam. Schließlich entschied ich mich mein Glück bei der Deutschen Zentrale für Tourismus zu versuchen. Warum auch nicht? Während des Studiums kamen wir des Öfteren mit der DZT in Kontakt und auf der Webseite fand ich schnell einige Ausschreibungen für Praktikantenstellen in Auslandsvertretungen auf der ganzen Welt. Fast wie selbstverständlich fiel meine erste Entscheidung auf die Auslandsvertretung in New York. Das war zwar entgegen meiner Vorstellungen ein Ort, den ich schon relativ gut kannte, aber einmal in NYC zu leben wollte ich mir nicht entgehen lassen. Einige Tage später kam jedoch schon die Ernüchterung: Die Lebenshaltungskosten waren im Verhältnis zu meinem monatlichen Gehalt mindestens dreimal so hoch und da waren die Kosten für das Visum, die Versicherungen und für die Flüge noch nicht miteinberechnet. Im Endeffekt entschied ich mich dagegen nach drei Monaten mit leeren Taschen nach Hause zu kommen und bewarb mich bei der Auslandsvertretung in Amsterdam. Die Kosten waren zwar vergleichbar mit New York, allerdings würde ich etwas mehr Gehalt bzw. „Wohnkostenzuschuss“ erhalten, könnte die teure Anreise per Flugzeug durch eine Autofahrt ersetzen und außerdem noch ERASMUS+ beantragen. Nach einer bangen Zeit Ende Dezember 2014/Anfang Januar 2015, in der ich nicht sicher war ob es besonders risikofreudig war, dass ich mich nicht noch woanders beworben hatte oder sehr selbstsicher, hatte ich endlich ein Bewerbungsgespräch via Skype. In den ersten Minuten ging so ziemlich alles schief, was nur schiefgehen konnte. Mein Mikrofon am Laptop funktionierte nicht und natürlich stieg in mir direkt Panik auf, wie unprofessionell das wirken musste. Meine Ansprechpartnerin reagierte jedoch sehr gelassen und rief mich kurzerhand auf dem Festnetz an. Das war wiederum der perfekte Eisbrecher für unser Gespräch, da die Situation durch die Telefone in unseren Händen während des Skype-Anrufs etwas deplatziert wirkten und wir des Öfteren noch darüber lachen mussten. Schlussendlich sollte ich einige Fragen zum Allgemeinwissen und vor allem der Geographie Deutschlands beantworten. Trotz meines eher mageren Wissens über Ostdeutschland bekam ich eine Woche später die Zusage für das Praktikum. Da der Beginn auf den 1. September fiel und ich deswegen sowieso ein 7. Semester dranhängen musste, entschied ich mich die ganzen 6 Monate zu bleiben und so möglichst viel vom Praktikum mitzunehmen.

Das einzige Problem war nun eine Wohnung zu finden. Es gibt eine riesige Nachfrage nach Wohnraum in Amsterdam, aber kaum Angebote, vor allem von Wohnungen, die auch tatsächlich existieren. Besonders auf Seiten wie Craigslist findet man relativ große Wohnungen, mitten in der Stadt gelegen für spottbillige Mieten. Was anfangs noch wie ein Traum klingt, entwickelt sich schnell zum Albtraum. Die „Vermieter“ erzählen abstruse Geschichten, warum sie ganz plötzlich vorübergehend ins Ausland ziehen mussten und dass sie ihre Wohnung angeblich für diese Zeit an vertrauenswürdige Menschen untervermieten möchten. Das Geld ist für sie eher unwichtig, ihnen geht es mehr darum, dass sie jemanden haben, der ihre Bleibe sauber hält. Man soll ihnen dann eine Kaution überweisen, am besten über MoneyGram o. ä., damit die Zahlung nicht zurückverfolgt werden kann. Ich bin leider so dumm gewesen, man kann es nicht anders sagen, und bin auf einen dieser Scammer reingefallen. Das Glück stand aber wieder auf meiner Seite, denn das Geld wurde noch nicht abgehoben und nach einem kurzen Anruf bei MoneyGram bekam ich die Kaution zurück.
Schließlich bin ich dann bei einer Niederländerin in Diemen untergekommen, bei der schon einige meiner Vorgängerinnen gewohnt haben. Von der Lage ist es perfekt, weil ich in 15 Minuten mit dem sporadischen Fiets auf der Arbeit bin und mit Tram und Metro in 20 Minuten direkt am Grachtengürtel. Der öffentliche Nahverkehr ist in Amsterdam auch verhältnismäßig billig, dafür sind die Parkgebühren besonders hoch, damit möglichst wenige Leute mit dem Auto in die Innenstadt fahren. Mit dem Fahrrad oder zu Fuß lässt sich Amsterdam sowieso am besten erkunden. Und das lohnt sich! Ich habe am Anfang öfter mal die Frage gestellt bekommen, warum ich denn „nur“ nach Amsterdam gehen würde, dass das ja nichts Besonderes sei. Natürlich steht uns die ganze Welt offen, aber manchmal reicht auch ein Ziel direkt vor der Haustür. Amsterdam ist ein Ort, der 178 Nationen miteinander vereint und das spürt man an jeder Ecke! Selbst wenn man bei Lidl einkauft, fallen kleine Veränderungen im Sortiment auf, weil man zum Beispiel Reis im 5-Kilo-Sack kaufen kann. Das Restaurant- und Café-Angebot ist gigantisch und ebenso vielfältig wie Amsterdams Bewohner. Die Menschen sind offen und tolerant, zumindest was die meisten Dinge angeht. Touristen auf Fahrrädern werden eher ungerne gesehen gina2(Kann ich unterschreiben. Menschen, die ständig in 5er-Reihen und im Schneckentempo nebeneinander fahren sind auch eine extreme Geduldsprobe für die Nerven!). Das gleiche gilt für den Drogentourismus, der zwar geduldet wird da Amsterdam eben durch und durch Handelsstadt ist, aber schön findet es niemand, wenn jemand am helllichten Tag mitten in der Stadt einen Joint raucht.
Und jetzt noch ein kleiner Abschnitt zu meinem Praktikum: Ich arbeite in der Sales-Abteilung der DZT in Amsterdam und komme dementsprechend hauptsächlich mit der niederländischen Reiseindustrie in Berührung aber auch mit deutschen Partnern wie z. B. den verschiedenen Landesmarketingorganisationen (LMOs), Tourismusbüros einzelner Städte oder auch Hotels, Freizeitparks usw. Wir haben 12 Mitarbeiter, die neben der Sales- auch noch die Presse- und die Marketing-Abteilung besetzen. Wir sprechen hauptsächlich Deutsch miteinander, da aber vier Niederländerinnen bei uns arbeiten, gibt es auch öfter eine Mischung aus Deutsch und Niederländisch. Am Anfang habe ich mich mit der Sprache etwas schwer getan, aber mittlerweile verstehe ich es sehr gut. Mit dem Sprechen klappt es noch nicht so, aber dafür spricht in den Niederlanden fast jeder Englisch, was die Kommunikation sehr viel einfacher macht.
Das war’s dann auch erst einmal von mir, beim nächsten Mal berichte ich dann etwas mehr von meinen Aufgaben.
Fijne avond!
Gina

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